Messenger

by digit.social
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Messenger

Messenger sind zu einem ziemlich wichtigen Tool im sozialarbeiterischen Alltag geworden. Ein Messenger bietet Klient:innen eine relativ niedrigschwellige Möglichkeit Kontakt aufzunehmen und hat den Vorteil, dass dieser Kontakt unkompliziert gehalten werden kann.

Obwohl WhatsApp das instant messaging längst nicht erfunden hat (denken wir an die gute alte Zeit von ICQ, AIM oder Jabber), hält es sich immer noch an der Spitze der Messaging-Apps. Zwei Probleme gibt es allerdings mindestens mit WhatsApp:

Das sind zwei Gründe, wieso WhatsApp nichts im Arbeitskontext zu suchen hat. Welcher Messenger ist dann aber empfehlenswert? In Teil drei der Grundlagen nenne ich 4 Bedingungen für ethikbasiertem Softwareeinsatz: Datenminimierung, Krpytografie, FLOSS und Dezentralisierung. Wenn diese Kriterien streng umgesetzt werden, empfehlen sich beispielsweise:

  • Conversations

    • keine Telefonnummer als identifier notwendig
    • nutzt das XMPP-Protokoll (jabber)
    • verschlüsselt Ende-zu-Ende mit OMEMO
    • funktioniert nicht peer-to-peer, sondern über einen föderierten Server
    • nur android / iOS-Alternative: ChatSecure
  • Briar

    • keine Telefonnummer als identifier notwendig
    • verschlüsselt Ende-zu-Ende
    • funktioniert komplett ohne Server, also peer-to-peer
    • dazu muss man allerdings einmalig seinen Kommunikationspartner im wirklichen Leben treffen, um die QR-Codes zu scannen
    • die Kommunikation geht über WLAN, Bluetooth oder TOR-basierete Internetverbindung
    • existiert nur android
    • empfehlenswerter Vortrag der Entwickler zum 34C3

Mike Kuketz hat 2016 einen sehr empfehlenswerten Blogbeitrag zu Conversations im Vergleich zu anderen Messengern veröffentlicht. Dabei nennt er auch die Schutzziele, die ein Messenger implementiert haben sollte.

Nun stellt sich die Frage, ob die beiden genannten Messenger letztendlich das Potenzial haben, im normalen Sozialarbeitenden-Alltag einsetzbar zu sein. Mein Fazit: Beide Messenger sind relativ hochschwellig. Heißt: für Conversations muss man sich ein jabber-Konto einrichten, bei briar muss man nebeneinander stehen, um sich connecten zu können. Dennoch: Beide Messenger sind für Klient:innen, die eventuell auch etwas Spaß an Technologie haben, eine gute Sache. Für weniger IT-affine Menschen müssen wir dann leider auf den Grundsatz der Dezentralisierung verzichten können uns noch Signal von "open whisper systems" zu Gemüte führen:

  • Signal
    • nutzt die Telefonnummer als indentifier (gehasht)
    • verschlüsselt Ende-zu-Ende
    • nutzt einen zentralen Server
    • es fallen aber kaum Metadaten an
    • ein idealer, schneller und niedrigschwelliger Umstieg von WhatsApp

Praxis-Tipp

  • Signal ist tatsächlich easy-to-use!
  • Im Sinne des Auftrags digitaler Mündigkeit, sollten Sozialarbeitende mit ihren Klient:innen über die Probleme der WhatsApp-Nutzung sprechen
  • Kein Smartphone hat die Beschränkung auf nur einen Messenger: Es ist völlig ok, mit FLOSS zu experimentieren und auch mal mehrere Messenger parallel auf dem Handy zu haben
  • Wichtig ist es viel mehr, eine Antwort auf die Frage zu haben, wem man seine Daten anvertrauen will ;)

Wer noch etwas mehr Infos über diese Auswahl an Messengern sucht, dem sei die Empfehlungsecke des Kuketz-Blogs ans Herz gelegt. Oder die Auseinandersetzung zum Thema bei Privacy-Handbuch. Mit Riot, der das MATRIX-Protokoll nutzt, habe ich mich bisher noch nicht intensiv auseinander gesetzt, sollte hier aber auch genannt werden.

Noch etwas zu Hoccer, da er von manchen Sozialarbeitenden im Berufskontext eingesetzt wird: Die Stiftung Warentest kührte ihn 2015 zum Testsieger und auch mobilsicher.de schreibt prinzipiell positiv über den Messenger aus Deutschland. Eines ist er aber dennoch nicht: open source. Daher kann die Sicherheit nicht von außen überprüft werden. Ebenso nicht open source ist Threema, trotz aller Vorteile (bspw. ID statt Telefonnummer), die er bietet (vgl. Privacy-Handbuch).

Sicher kommunizieren - einfach erklärt
Der animierte Film von Alexander Lehmann beschäftigt sich ebenso mit Messengern und dem Prinzip der asymmetrischen Verschlüsselung, die in den oben empfohlenen Messengern zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung eingesetzt wird: